wissenschaftliche Studien

Zusammenfassung der Masterarbeit von Iris Busch [2006] Autark mobil wohnen. Masterthesis im Fachbereich Architektur; Schwerpunkt ressourcenoptimiertes Bauen der Bergischen Universität Wuppertal.

Anfangs zeigt die Autorin auf, das viele Menschen in den USA mobil wohnen, in den sogenannten rolling homes. Die Wagenbewohner in Deutschland charakterisiert sie durch eine überdurchschnittlich gute Schulbildung und eine signifikant hohes Bildungsniveau.

Weiter beschreibt Iris Busch die Brandschutzverordnungen in Nordrhein-Westfalen, wo ein 5 Meter breiter Radius um jeden Bauwagen bestehen und jeder zweite Wagen mit einem mobilen Feuerlöscher ausgestattet sein sollte.

Im Kapitel 2.5 Nachhaltige Stadtentwicklung durch Wagenplätze erwähnt sie die geringe Bodenversiegelung von Bauwagenplätzen, die Energieeinsparung durch den kleinen Wagen im Vergleich zu einer Wohnung, das Recyceln, die Ressourcenschonung durch erneuerbare Energien (Solarstromanlagen und Windräder) und den sparsamen Umgang mit Wasser. Später stellt sie den durchschnittlichen Wasserverbrauch von einer Person pro Tag mit 128 Liter den 36 Liter, die die Wagenbewohnerin verbraucht, gegenüber.

In diesem Kapitel werden auch soziale Aspekte genannt, wie die Förderung sozialer Gemeinschaften, soziale Vernetzung  durch Veranstaltungen und die Wagenburg als Erlebnis- und Lernort für Kinder, soziale Integration.

Beim Duisburger Wagendorf streicht die Verfasserin nochmal die ökologische Ausrichtung heraus. Das werde auch im Verzicht von einem eigenen Auto und der Verwendung von Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln sichtbar.

Zusammenfassung der wissenschaftlichen Arbeit von Annika Schönfeld & Tobias Pralle [2000]: Wohnen ohne Fundament. Handlungsmöglichkeiten von Politik und Stadtplanung im Umgang mit Wagenplätzen. Studienarbeit im Fachbereich Stadt- und Landschaftsplanung der Universität Gesamthochschule Kassel.

Als Gründe im Wagen zu leben nennen die Autoren Schönfeld und Pralle: Naturnähe, geringe Bodenversiegelung, eigene Kompostierung, Verwendung von ökologischen Baumaterialien und Solaranlagen, sparsamer Umgang mit Wasser.

Die Entscheidungen innerhalb der Bauwagengemeinschaft würden nach dem Konsensprinzip getroffen.

Im Kapitel 4.1. Aufgaben der Politik schreiben die Autoren, das die Stadt versuchen sollte, die Interessen aller ihrer Bürger gerecht zu werden. Weiter unten heißt es: “Eine Politik des sozialen Ausgleichs drückt sich auch in der Bodenpolitik aus. Milieuschutzsatzungen, öffentlich geförderter Wohnungsbau, Flächen für Kleingärten und Eigenheimförderungen machen deutlich, dass es Möglichkeiten gibt, die Bodennutzung nicht nur vom Immobilienmarkt lenken zu lassen“(S.17).

Bei der Ver- und Entsorgung plädieren Schönfeld und Pralle für alternative Lösungen, die den Ansprüchen und finanziellen Mitteln der Bewohner entsprechen, wie zum Bleistift Solarmodule. Geringe Abwassermengen könnten bei Verwendung ökologisch abbaubarer Waschsubstanzen direkt versickert werden.

Beide Autoren resümieren: „Die Legalisierung von Wagenplätzen ist in erster Linie kein baurechtliches Problem, sondern die Frage des politischen Willens und der Frage wie Mehrheiten mit den Wünschen von Minderheiten umgehen wollen…Es besteht eine Diskrepanz im Umgang der Öffentlichkeit und der Städte mit Wagenplätzen im Vergleich zu Dauercampern und Kleingärtnern…Insbesondere unter Berücksichtigung der geringen Anzahl der Menschen, die im Wagen wohnen oder dieses wünschen, sollte die Legalisierung dieser Wohnform in einer demokratischen Gesellschaft realisierbar sein“(S.42).

Zusammenfassung der Abschlussarbeit von Patrick Th. Augenstein [2007]: Wagenburgkultur in Deutschland. Unveröffentlichte Examensarbeit an der Universität Freiburg.

Zu Beginn schreibt der Autor, das sich von Flensburg bis Freiburg 160 Wagenplätze befänden. Von der Verteilungsstruktur gäbe es einen Zusammenhang zwischen Hochschulangebot und Wagenburg. Je breiter das wissenschaftliche Angebot, desto mehr Wagenplätze erstrecken sich in der Stadt.

Den Wagenbewohner skizziert er wie folgt: “In quantitativ weitaus größerem Umfang zeigt sich auf der anderen Seite ein differenzierteres Bild, mit einer Vielzahl unterschiedlicher Gegenhorizonte, auf Grund derer Menschen sich entscheiden aus einem Haus in einen Wagen zu ziehen. Mit den beschriebenen Wirkungsmechanismen der Postmoderne wie Engagement in Mikro- und Subpolitik, Ästhetisierung des eigenen Wohnumfeldes, selbstständiges Generieren ehemals staatlicher Leistungen, Partizipation, Erweiterung der traditionellen Lebensgemeinschaft um multiple Formen des Zusammenlebens, ein parataxisches Hierarchieverständnis, dezentrale Strukturierung, sowie das Ersetzen eines positivistischen Fortschrittglaubens durch Skeptizismus oder Ökologismus lässt sich die Grundgesamtheit erfassen(S.105)“.

Die Okölogie und Nachhaltigkeit des Wagenlebens zeige sich außerdem beim Nichtversiegeln der Wohnfläche, beim Müllvermeiden, im Recyceln, bei der Energiegewinnung durch Sonnenkollektoren, durch geringeren Wasser- und Heizverbrauch im Vergleich zu Steinhausbewohnern.

Weiterhin deckt er die Ausgrenzungs- und Stigmatisierungsmittel der Stadtregierung Freiburg auf, die schon seit Jahrhunderten mit dem reaktionären Verhaltensmuster der ersatzlosen Räumung agiert.

Genau das Erleben wir nun auch in Duisburg, wo die SPD einen Bauwagenplatz, der schon über 20 Jahre besteht, räumt.